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Nag' el Tawil
 

Die Untersuchungen des Schweizerischen Instituts in Nag el-Tawil sind Teil internationaler Anstrengungen unter der Ägide des SCA Aswan, die durch den Bau der Nilbrücke im Jahr 2002 nördlich der Stadt und die damit einhergehende Erschliessung des Westufers des Nils in diesem Bereich gefährdeten archäologischen Denkmäler zu erfassen und gegebenenfalls zu schützen. Mit den Arbeiten der Jahre 2008 und 2009 wurde an eine Erstuntersuchung angeschlossen, die Horst Jaritz 1972 für das Schweizerische Institut durchgeführt hatte.
Das Untersuchungsgebiet liegt etwa 20 km nördlich von Assuan unmittelbar südlich von Nag el-Tawil und nordöstlich von Nag el-Qarmila, beides Ortsteile von Kubaniah. Eine römische Kaianlage mit Monumentaltreppe ist das einzige sichtbare Monument. Die sich westlich der Treppe erstreckende Sandebene war das Hauptgebiet von Survey und Grabung. Die über die Oberfläche verstreute vorwiegend römischer Keramik liess eine römische Siedlung an dieser Stelle vermuten.

 

Römische Kaianlage in Nag el-Tawil
 

Zunächst wurde ein kombinierter geophysikalischer und geomorphologischer Survey durchgeführt. Die für den Magnetometersurvey verwendeten Instrumente (ein Fluxgate Gradiometer und ein Caesium Magnetometer, die von Christian Schweitzer bedient wurden) lieferten ein Messbild mit mehreren klar erkennbaren Anomalien, die auf Lehmziegelmauern schliessen liessen. Insgesamt wurden im Zuge des Surveys etwa 10 ha vermessen. Das prospektierte Gebiet umfasst auch die unmittelbare Umgebung der Sandebene und reicht weit nach Norden. Das archäologisch relevante Gebiet konnte stark eingegrenzt werden. Während unmittelbar westlich der Treppe liegende Strukturen im Magnetogramm nicht erkannt werden konnten, weil sie unter mehreren Metern Flugsand und stark magnetisierten Nilschlammschichten verborgen sind, zeichnete sich etwa 150m westlich des Nilufers eine sich von Nord nach Süd in einem relativ schmalen Streifen erstreckende Siedlung ab.

 

David Swiech mit dem Caesiummagnetometer
 
Ziel der Bohrungen war es, datierbares Material aus Schichten zu gewinnen, die unter der Eindringtiefe der Messgeräte lagen, und in Zusammenarbeit mit dem Geologen Morgan de Dapper Anhaltspunkte für die antike Flussmorphologie des Gebietes zu erhalten. Begleitend zum Survey wurden in begrenztem Rahmen Grabungen durchgeführt, um die im Magnetogramm entdeckten Strukturen auf ihren Charakter und ihre zeitliche Stellung hin zu untersuchen. Während die Grabungen in der Nähe des Nilufers bis auf eine massive Nord-Süd verlaufende Lehmziegelmauer im südlichen Untersuchungsbereich aufgrund der mächtig anstehenden lockeren Flugsandschichten keine befriedigenden Ergebnisse erbrachten, wurde in einer Flächengrabung das südlichste Gebäude der oben erwähnten Siedlung freigelegt (Gebäude 1). Das Bauwerk weist eine Grundfläche von mindestens 260 m² auf (die östliche Aussenmauer war rezent zerstört worden). Im Zentrum eines unüberdachten Bereichs, der den Grossteil der freigelegten Grundfläche ausmachte, befand sich ein quadratischer Raum mit massiven Wänden, die weiss verputzt waren. Da sich im unüberdachten Bereich noch erhaltener Tierdung und Streu fand liegt eine Deutung als Stall oder Unterstand für Tiere nahe. Bei dem zentralen Raum könnte es sich um einen kleinen Getreidespeicher handeln, da auf den Böden Getreidereste gefunden wurden.
 

Blick auf Gebäude 1 von Norden
 

In einem Schnitt, der im Inneren von Gebäude 1 angelegt wurde, fanden sich Reste einer älteren Bauphase: Unter einer mächtigen Flugsandschicht konnte ein mit sorgfältig behauenen Sandsteinen ausgeschachteter Brunnen freigelegt werden. Die Art der Konstruktion lässt auf eine Saqia, einen Brunnen mit einem Schöpfrad, schliessen.
Ein Schnitt westlich der erhaltenen Mauerkrone der Kaimauer brachte die Abbruchschicht der Mauer zu Tage. Eine Münze aus dem Jahr 69/70 n. Chr. lieferte den ersten verwertbaren chronologischen Ansatzpunkt für die Zerstörung der Mauer. Das freigelegte Gebäude 1 dürfte, basierend auf einer ersten Sichtung der Keramik, in die römische Kaiserzeit datieren.
Die begrenzten Grabungsergebnisse lassen noch keine Deutung oder gar Benennung der Siedlung zu, doch bietet sich das historisch belegte Contra Syenem an. Der Befund der jüngeren und der Brunnen in der älteren Bauphase lassen an ein Hydreuma, eine Wegstation mit Brunnen, denken.

 

Reste einer römischen Saqia
 

Die unmittelbare Zielsetzung des Instituts, nämlich, Vorarbeiten für eine großangelegte Grabung in Nag el-Tawil, zu leisten wurde damit abgeschlossen. Für die nächsten Jahre ist eine Fortsetzung in Form ausgedehnter Grabungen und Untersuchungen des Umlandes in Zusammenarbeit mit dem Österreichischen Archäologischen Institut geplant.

 
 
Publikationen:

H. Jaritz, Eine Kaianlage bei Nag’ el-Hagar, in: MDAIK 29, 1973, S. 183-193, Taf. 76-77

M. Steskal / P. Rose, Research on Roman Nag’ el-Tawil in Upper Egypt. Fieldwork 2011/2012, in: ÖJh 81, 2012, S. 277-330

 
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